{"id":61,"date":"2026-10-21T13:31:45","date_gmt":"2026-10-21T11:31:45","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/projekte\/der-letzte-mensch\/"},"modified":"2026-10-21T13:31:45","modified_gmt":"2026-10-21T11:31:45","slug":"der-letzte-mensch","status":"publish","type":"projekt","link":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/?projekt=der-letzte-mensch","title":{"rendered":"Der letzte Mensch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Premiere: 16 Sept 2021, Schauspiel Graz<\/strong><\/p>\n<p>nach dem Roman von Mary Shelley<br \/>\nDeutsch von Irina Philippi<\/p>\n<p>Mary Shelley, Autorin des \u201eFrankenstein\u201c, war mehr als ein One-Hit-Wonder, das im Alter von 18 Jahren das Monster erfand, das ins kulturelle Ged\u00e4chtnis eingewandert ist. Mary Shelley war eine hochintelligente, h\u00f6chst modern denkende und unkonventionell lebende Frau. Ihre Lebensgeschichte und ihr Werk \u2013 sie gilt als Erfinderin der Science Fiction \u2013 lassen das fr\u00fche 19. Jahrhundert in ganz anderem Licht erscheinen, als es z.B. die Romane ihrer Zeitgenossinnen wie die Bront\u00eb-Schwestern oder George Eliot suggerieren. Und ihr zwischen 1824 und 1826 geschriebener und nach 200 Jahren im Februar 2021 erstmals auf Deutsch erschienener Roman \u201eDer letzte Mensch\u201c ist ein vernachl\u00e4ssigtes Dokument der Weltliteratur. Hier diskutieren Frauen beim Fr\u00fchst\u00fcck mit ihren M\u00e4nnern und Freunden \u00fcber die politischen Ereignisse der Zeit, sind interessiert an den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und bestehen darauf, zu lieben, wen und wie sie wollen und zu denken und zu schreiben, was sie wollen.<\/p>\n<p>Das Leben der Autorin war so aufregend (und dramatisch, ja tragisch) wie ihre literarischen Helden: Aufgewachsen in einer Patchworkfamilie, war sie die Tochter einer radikalen Feministin und eines Anarchisten. Mit 16 t\u00fcrmte sie von zu Hause mit dem romantischen Dichter Percy Shelley (Atheist, Vegetarier und Anh\u00e4nger der freien Liebe), der trotz viel emotionalen Ungl\u00fccks ihre gro\u00dfe Liebe blieb. Die Reisen des prominenten Paares durch ganz Europa, ihr boh\u00e8meartiges Leben mit wenig Geld und vielen Aff\u00e4ren wurden von der Klatschpresse der Zeit interessiert verfolgt \u2013 es gab zur Berichterstattung Anlass.<\/p>\n<p>Als Dichterin der Romantik hatte die auch als \u201equeen of goth\u201c apostrophierte Autorin ein inniges Verh\u00e4ltnis zum Tod. Und dies nicht nur theoretisch oder \u00e4sthetisch. Auf der H\u00e4lfte ihres Lebens, mit 26 Jahren, stand sie mutterseelenallein, bettelarm und verlassen von allen in Italien. Ihre Mutter war bereits bei ihrer Geburt gestorben, ihr Ehemann im Meer ertrunken, ihre Kinder (bis auf eines) im Kleinkindalter gestorben, ihr bester Freund im Krieg geblieben, ihre Halbschwester durch Suizid aus dem Leben geschieden usw. usf. Was liegt da n\u00e4her, als einen Roman zu schreiben, der die bodenlose, eigene Einsamkeit thematisiert? Als grausame, aber nicht unempathische Sch\u00f6pferg\u00f6ttin l\u00f6scht Mary Shelley auf 544 Seiten die gesamte Menschheit aus und portr\u00e4tiert sich selbst in der Rolle des einzigen \u00dcberlebenden einer weltumspannenden Seuche, die in der Zukunft stattfindet.<\/p>\n<p>Der Roman mit seinem pandemischen Geschehen spielt in den Jahren 2073 bis 2089. In der Inszenierung sind \u201eDer letzte Mensch\u201c und das Schicksal von Mary Shelley selber Ausgangspunkt f\u00fcr eine Reflexion \u00fcber Einsamkeit und D\u00fcsternis, Tod und Freiheit, die Mehrwertproduktion und die Unterhaltungsindustrie Stadttheater. Der Theaterabend nimmt seinen Ausgangspunkt aus dem Gedanken, dass die B\u00fchne des Schauspielhaus Graz ein einziges Massengrab ist, aus dem die Untoten allabendlich wiederauferstehen, um sich das Denken einer radikalen Freiheit zu erobern. Er endet an der Grenze unseres Sonnensystems auf der Suche nach einer neuen Heimat, nachdem der Mensch im Anthropoz\u00e4n die Erde hat unbewohnbar werden lassen. All dies in der trotz des d\u00fcsteren Themas humorvollen, spielfreudigen, diskursm\u00e4chtigen und bildgewaltigen Inszenierung von Alexander Eisenach, der in Graz auf die Adaption von wortgewaltigen Romanen (\u201eFrequenzen\u201c von Clemens J. Setz, \u201eDer Zauberberg\u201c von Thomas Mann, \u201eVernon Subutex\u201c von Virginie Despentes) spezialisiert ist und der wieder einmal inszenatorisch alle Register zieht, die das Theater so bietet.<\/p>\n<p>REGIE Alexander Eisenach<\/p>\n<p>B\u00dcHNE Daniel Wollenzin<\/p>\n<p>VIDEO Oliver Rossol<\/p>\n<p>KOST\u00dcME Claudia Irro<\/p>\n<p>MUSIK Benedikt Brachtel<\/p>\n<p>LICHT Thomas Trummer<\/p>\n<p>DRAMATURGIE Karla M\u00e4der<\/p>\n<p>MIT Lisa Birke Balzer, Henriette Blumenau, Fredrik Jan Hofmann, Florian K\u00f6hler, Mathias Lodd, Alexej Lochmann, Raphael Muff, Clemens Maria Riegler<\/p>\n<p>LIVE-KAMERA Timo Neubauer<\/p>\n","protected":false},"featured_media":62,"menu_order":24,"template":"","bereich":[2],"class_list":["post-61","projekt","type-projekt","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","bereich-buehne"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/projekt\/61","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/projekt"}],"about":[{"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/projekt"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/62"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61"}],"wp:term":[{"taxonomy":"bereich","embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fbereich&post=61"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}