{"id":128,"date":"2026-10-28T13:51:18","date_gmt":"2026-10-28T12:51:18","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/?post_type=projekt&#038;p=128"},"modified":"2026-10-28T14:20:33","modified_gmt":"2026-10-28T13:20:33","slug":"im-sitting-in-a-house-of-echo-chambers","status":"publish","type":"projekt","link":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/?projekt=im-sitting-in-a-house-of-echo-chambers","title":{"rendered":"I\u00b4m sitting in a House of Echo Chambers"},"content":{"rendered":"<p dir=\"ltr\">In der Aufnahmetechnik (etwa in den Bell Labs oder den Abbey Road Studios seit den 1930er-Jahren) bezeichnet \u201eEcho Chamber\u201c einen eigens gebauten Hallraum: Ein Signal wird \u00fcber einen Lautsprecher in den Raum gespielt, von einem Mikrofon wieder aufgenommen und dem Ausgangssignal beigemischt. Genau diesen Mechanismus nutzt Alvin Lucier in <em>I am sitting in a room<\/em> (1969). Er verwandelt den Raum damit buchst\u00e4blich in eine Echokammer, die iterativ durchlaufen wird. Den Vorgang nutzt er aber nicht einmalig f\u00fcr einen Halleffekt, sondern wiederholt ihn rekursiv, bis das Signal vollst\u00e4ndig vom Raumklang aufgezehrt ist.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Im politisch-medialen Sinn bezeichnet \u201eEchokammer\u201c einen Diskurs, der sich durch Wiederholung unter Gleichgesinnten ohne \u00e4u\u00dferen Input selbst verst\u00e4rkt (vgl. Filterblase). Durch fortgesetzte Selbstbez\u00fcglichkeit geht der Inhalt verloren und wird durch blo\u00dfe Resonanz ersetzt, also durch die Verst\u00e4rkung des immer Gleichen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Der Titel <em>i\u2019m sitting in a house of echochambers<\/em> spielt diese Doppelb\u00f6digkeit aus: sechs Diskursr\u00e4ume, in denen einzelne Zitate und Positionen jeweils durch ein eigenes klangliches Wiederholungsprinzip transformiert werden. Der Widerhall akustischer R\u00fcckkopplung wird so zur Metapher diskursiver Selbstverst\u00e4rkung. Lucier nutzt den Raum im technischen Sinn einer Studio-Echokammer (Lautsprecher-Mikrofon-Schleife), erzeugt jedoch kein Echo im engeren Sinn. Brachtels Arbeit spielt dagegen bewusst mit der medialen Bedeutung der Echokammer und geht damit semantisch, nicht akustisch, \u00fcber Luciers Verlust des Sprachinhalts hinaus.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Um dem Dogma der Selbstreferenz etwas entgegenzusetzen, lud Brachtel den Bansuri-Spieler Himansh Pandey ein, mit den angeregten Raummoden in Kommunikation zu treten. Als Mittler zwischen den Dimensionen kommuniziert der Fl\u00f6tist mit den stehenden Wellen des Kellers nicht durch Sprache, sondern durch Atem. Die Bansuri, selbst nur ein hohles Bambusrohr, lebt einzig vom fortw\u00e4hrenden Atem des Spielers. Auch die Raummoden der sechs Kammern sind keine Ereignisse, sondern Dauerzust\u00e4nde: stehende Wellen, die nicht gespielt, sondern lediglich angeregt und gehalten werden.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">So begegnen sich zwei Formen desselben Prinzips: der menschliche Atem und die Architektur als Tr\u00e4ger von T\u00f6nen. Pandeys Spiel sucht die Eigenfrequenzen des Kellers, um sich mit ihnen zu verbinden, bis unklar wird, ob die Fl\u00f6te den Raum zum Klingen bringt oder der Raum die Fl\u00f6te. In dieser Unsch\u00e4rfe liegt Brachtels Interesse: Keines der beiden Systeme gen\u00fcgt sich selbst. Der Atem allein w\u00e4re nur Luft, der Raum allein nur Stille. Erst in ihrem Aufeinandertreffen entsteht ein Klang, der keinem von beiden f\u00fcr sich zug\u00e4nglich w\u00e4re.<\/p>\n<p dir=\"ltr\">Die Ausstellung ist t\u00e4glich vom 25. September bis einschliesslich 13. Dezember 2026 ge\u00f6ffnet.<\/p>\n","protected":false},"featured_media":129,"menu_order":0,"template":"","bereich":[3],"class_list":["post-128","projekt","type-projekt","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","bereich-klang"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/projekt\/128","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/projekt"}],"about":[{"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/projekt"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/129"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=128"}],"wp:term":[{"taxonomy":"bereich","embeddable":true,"href":"https:\/\/neu.benibrachtel.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fbereich&post=128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}